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Sonntag, 18. Oktober 2015

Der Herbst steht auf der Leiter

"...und malt die Blätter an, ein lust'ger Waldarbeiter, ein froher Malersmann...." fängt ein Gedicht von Peter Hacks an. Vertont wurde es auch und so kann man es bei Bedarf vor sich hinträllern.
Mir kommt es jetzt öfters in den Sinn, wenn ich durch den Garten gehe "...er kleckst und pinselt fleißig..."
Im Oktober hat der Garten eindeutig mehr Farbe, als im Frühling oder Sommer. Die Gelb-, Orange- und Rottöne harmonieren wunderbar und übernehmen langsam die Oberhand.
der Südweg mit sich in Weg werfenden Meerlavendel
(Limonium latifolium)

Euonymus alata als Hochstämmchen vor Miscanthus Malepartus

färbender Hamamelisstrauch mit Hemerocallis

Neben den Sträuchern und Bäumen gibt es auch unter den Stauden tolle Laubfärber.  Miscanthus, Hemerocallis, Geranium und Paeonien machen schon was her.

Geranium magnificum

Aster novae-angliae

Das ist auch der Moment in dem der Schneefelberich (Lysimachia clethroides) jedes Jahr auf neue seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellt. Im Sommer hängt er öfter schlapp herum und steht kurz vor dem Rauswurf, aber im Herbst bekommt er doch wieder ein Bleiberecht.
Lysimachia clethroides

Ich werde ihm im Frühjahr ein schattigeres Plätzchen einräumen. Dann hat auch der Buchs wieder mehr Platz.


Donnerstag, 14. Mai 2015

Es ist so saftig grün

dass ich immer noch voll Wonne reinbeißen könnte. Eigentlich ist der Herbst meine Lieblingsjahreszeit, aber wer kann diesem frischen Grün schon widerstehen. Ich nicht, und deshalb liege ich die meiste Zeit,wenn ich kann, platt in der Wiese und freue mich ganz dicht an den unterschiedlichen Grüntönen und Blattkontrasten und bestaune nebenbei die ganzen vielen Kleinigkeiten.
 Zum Beispiel:
Meine Halesia carolina blüht zum ersten Mal.

Die Mischung von Saxifraga und Myosotis ist einfach nur umwerfend zart. 

Die Akeleien erobern, wenn man sie lässt, jeden freien Platz

Die Rotbuchenhecke prankt in den unterschiedlichsten Rottönen. (Das Schöllkraut auch:-( )

Die Fröschen quaken ihre Lebensfreude um die Wette aus dem Hals.

Der Flieder duftet und die Tulpen krawallen durchs Beet
(Ich finde, es ist eine Klasse-muntermachende-Farbmischung, kam ganz ohne mein Zutun.)

Der Salat sprießt und nun sage einer, dies sei nicht romantisch


Besonders stolz bin ich im Moment  auf meine unterschiedlichen Grüntöne im Hamamelisbeet.

Bevor ich den alten vergreisten Apfelbaum massiv zurückschneiden musste, war es das Beet mit dem meisten Schatten im Garten. Ich hatte dort ganz bewusst den Schwerpunkt auf Blattkontraste und weniger auf Blüten gelegt.
Trotz fehlendem Schatten funktioniert es auch bei mehr Sonne dank der Mulchschicht noch ganz gut und irgendwann , so in gefühlt 1000 Jahren, machen vielleicht auch die neuen Sträucher wieder mehr Schatten.
Ich könnte noch ganz viele Bilder einstellen,eben weil ich von der schönen Jahreszeit nicht genug bekommen kann. Hier noch ein paar, ganz Selbstbeherrschung,
 der Vorvorgarten
 der Vorgarten
 der Blick von der Scheune über den Hof
 der Südweg
 das noch namenlose Beet und noch ein paar Kleinigkeiten, die mir ins Auge gefallen sind












Samstag, 14. März 2015

John Brookes

Seit gestern nachmittag ist es hier kalt und nassgrau, dazu ein gruftigkalter Wind aus Osten, der die gefühlte Temperatur auf eiskalte Minusgrade senkt. Och nee, da muss frau nicht raus. So ein Wetter sehe ich mir lieber von drinnen, mit einer heißen Tasse Tee, an und mache Pläne.
Dann stapeln sich hier Bücher und Zeitschriften. In der Gartenpraxis ist auf der letzten Seite immer Buchwerbung.  Diesmal ist es der Grundkurs Gartendesign von John Brookes, einem englischen Gartengestalter, welcher jetzt für wenig Geld angeboten wird. Der Grundkurs, nicht der Gestalter.
Ich hatte vor Jahren ein Buch von ihm durch Zufall in der Hand und beim Lesen die Initialzündung, was die Gartengestaltung angeht. Als wir uns damals das Grundstück das 1. Mal ansahen, kam mir der Garten schon sehr harmonisch vor, ohne das ich sagen konnte, woran es lag. Bis mir eben John Brookes die Augen öffnete.
Er behauptet, dass für einen harmonischen Gesamteindruck alles in einem Verhältnis stehen muss und deshalb sucht er sich z.B. ein markantes Teil am Gebäude aus. Das kann die Breite einer Terrasse sein oder eines Erkers oder einer Fensterfront. Je nach dem, was einem an dem Haus besonders auf- und gefällt und danach sollte sich die Aufteilung des Gartens richten. Man nimmt dieses Maß als Grundraster, auf dem sich dann die ganze Gestaltung aufbaut.
Bei uns ist es, wenn ich im Garten stehe, die Nische zwischen Eingang und Garage. Aus diesem Fenster schaue ich am meisten in den Garten.

Die Nische hat eine Breite von 3m. Dann fing ich an zu messen. Das Haus hat einen Grundriss von 9x9m. Der markante alte Apfelbaum im Hof, unter dem wir im Sommer sitzen, ist 9m vom Haus und von der Werkstatt entfernt. Die Werkstatt misst in der Länge mit Unterbrechungen 15m. Die alten Obstbäume sind in einem Raster von 6m, bzw. die kleineren in einem Raster von 3m, gepflanzt. Die Ligusterhecke stand damals 15m vom Haus weg. Das ganze Grundstück misst in der Breite 21m.
Damit hatte ich mein Raster. Es beträgt 3m im Quadrat und lässt sich beliebig auf 6, 9, 12 oder 15m in den Längen erweitern. Für mich war das die logische Erklärung.
Unbewusst hatte ich mich schon vorher daran gehalten. Aber jetzt, wo ich es schwarz auf weiß hatte, war alles klar. Ich habe keine Ahnung wie John Brookes einen Hanggarten unterteilt, aber für meinen Flachlandgarten war es genau das Richtige.
Seitdem versuche ich mich bei meinen Neuplanungen an dieses Raster zu halten und es funktioniert wunderbar.
Die 3m Kantenlänge lassen sich natürlich auch dritteln oder halbieren. Im Großen und Ganzen läuft es bei mir immer wieder auf die 3m hinaus.
Er gibt in seinen Büchern auch Bepflanzungstipps,  die sind bei uns nur mit Vorsicht zu genießen, da sie doch mehr an das englische statt an das kontinentale Klima angepasst sind.

Gerade bei der Bepflanzung  hat mir das Buch von Wolfgang Borchardt "Pflanzenkompositionen" sehr geholfen. Er erklärt bis ins Detail warum, wieso, weshalb etwas gut aussieht. In welcher Menge schmale oder breite Blätter wirken. In welchem Verhältnis Farben und deren Häufigkeit zu einander stehen. Alles sowas.Genau das Richtige für den professionellen Gartengestalter oder den der es werden will.
Ansonsten halte ich mich was die Bepflanzung angeht, an den bewährten Spruch von Karl Foerster "Pauke und Harfe" und von Wolfgang Oehme "Klotzen statt kleckern".
Blattkontraste funktionieren immer;-)